Madeira Neujahr 08/09

Madeira, 25.12.08-4.1.09: Ein Reisebericht

Weihnachten 2008: Endlich ging es los! Endlich konnte ich zum Flughafen fahren und in meine ersten Flugferien starten! Die Erwartungen waren gross, hatte ich doch bereits im Februar diese Reise gebucht und seither viele schöne Berichte und Erlebnisse von dieser Insel erzählt bekommen.
Das Flugzeug brachte mich und meine acht Gefährten zuerst nach Lissabon und von dort aus an unser Ziel: Madeira!
Die portugiesische Insel empfing uns mit dunklen Wolken und starken Regengüssen, doch dies war uns egal, wir waren froh hatte die Reise problemlos geklappt und alles Gepäckt war heil und vollständig angekommen. Zuerst galt es unsere Mietautos abzuholen und unseren Guide Ales, der einige Tage vorher angereist war, zu finden. Beides hatten wir nach ein paar Stunden geschafft. Gemeinsam ging es dann auf die erste Erkundung der Insel. Schon auf den ersten Kilometern auf Madeiras Strassen bot sich uns eine natürliche atemberaubende Vielfalt! Eindrückliche Klippen und unendliches Meer an der Küste und satte Grüntöne im Innern der Insel. Verschiedene Start- und Landeplätze wurden besichtigt, damit wir nur noch rausstarten können, sobald es fliegbar wird. Leider war das Fliegen am ersten Tag wetterbedingt nicht möglich. Die nächsten Tage waren ähnlich wie der Ankunftstag. Immer wieder Regen und Wind aus allen Richtungen, nur nicht aus der richtigen! Einmal war der Wind zu stark, dann wieder zu schwach. Und stimmte der Wind, war die Sicht gleich null.
Die Insel bietet viele veschiedene Fluggebiete, aber das sehr wechselhafte Wetter bietet oft nur ein kurzes Zeitfenster, welches einen Flug ermöglicht. Nach vier Tagen hatten es alle von uns wenigstens einmal geschaft in die Luft zu kommen. Am Abend des vierten Tages kündigte sehr starker Wind einen aufkommenden Sturm an. Mitten in der Nacht fuhren wir auf eine Hochebene, um die Windböen besser erleben zu können. Bei einer geschätzten Windgeschwindigkeit von 100 km/h konnten wir auch ohne Schirm schon fast abheben. Am nächsten Tag, 30.12. traf der angekündigte Sturm dann auch ein und wir konnten eindrückliche Wellen, überflutete Strassen und Strände und die Gewalt der Natur hautnah miterleben. An Fliegen war natürlich nicht zu denken, aber Stormwatching war an diesem Tag eine sehr eindrückliche Alternative.
Der Sturm war zum Glück am nächsten Tag vorbei und endlich zeigte der Kran vor unserem Haus die richtige Windrichtung an. Nun war das Fluggebiet Arco de Calheta, welches sich keine 5 Gehminuten von unserem Haus befand, endlich fliegbar. Der Startplatz ist psychisch anspruchsvoll, geht es doch nach relativ kurzer Strecke 300 Meter steil runter. Aber hat man die Klippe erst überwunden ist unendliches Soaren im sanften Aufwind angesagt. Und selbst Absaufen ist nicht mehr schlimm, endet der Flug doch in einem Gleitflug übers Meer. Der Landeplatz am Meer ist zwar nicht ungefährlich, aber der starke Wind ermöglicht eine sanfte Landung (vorausgesetzt man Landet gegen den Wind ;-) ).
Am Abend war dann noch der Jahreswechsel angesagt, welchen wir im Hafen von Funchal feierten. Das Feuerwerk wurde 20 Meter vor uns abgefeuert und erhellte die ganze Insel. Zu fest wollten wir dann auch nicht feiern, der nächste Tag hätte ja fliegbar sein können ...
Dem war leider nicht so: Am ersten Tag des Jahres zeigte sich der Wettergott nicht als Gleitschirmfreund und schickte viel Nebel und starken Wind. Nur die geübtesten Piloten getrauten sich kurz in die Luft. Ales hatte aber bereits eine Alternative bereit und so gings zum Groundhandeln auf ein Plateau inmitten der Insel. Grüne Hügel in einer wolkigen Landschaft eingebettet boten uns eine mystische Kulisse um mit unseren Schirmen zu spielen.
Am 2. Januar konnten wir perfektes Flugwetter geniessen. Viele lange Flüge waren an diesem Tag möglich. Blauer Himmel, Sonne, Thermik, Wind, Meer und einen Gleitschirm, von dem man ruhig durch die Luft getragen wird, anschliessend am Meer landen und sich in der Strandbar einen Drink oder ein kühles Eis genehmigen und am Abend einen unvergesslichen Sonnenuntergang vom Startplatz aus beobachten - was will man mehr?!
Am letzten Tag fuhren wir früh los um ein neues Fluggebiet auszuprobieren. Die Sicht war gut, der Wind angenehm stark - nur leider von der falschen Seite. Mit der Hoffnung, dass er sich noch drehen würde, blieben wir eine Stunde lang im kalten Wind stehen, aber ohne Erfolg. Also gingen wir zurück zum Hausstartplatz, welcher in Nebel gehüllt war. Am Nachmittag hatte der Wettergott doch noch ein Einsehen mit uns und gab die Sicht aufs Meer und den Himmel frei. Und so waren doch noch ein paar Flüge am letzten Tag möglich. Nach einem weiteren schönen Sonnenuntergang, einem guten Fischessen und einem Abschiedsdrink mussten die Koffer und Packsäcke schliesslich wieder gepackt werden und mitten in der Nacht gings los zum Flughafen, wo uns ein Flugzeug zurück in die Realität und in die bitterkalte, verschneite Schweiz brachte. Gerne wäre ich länger geblieben, denn trotz vieler Start- und Landeplatzbesichtigungen und unzähligen Stunden im Auto, habe ich noch lange nicht alles von der Insel gesehen und vorallem viele Fluggebiete noch nicht befliegen können. Daher ist eines jetzt schon klar: Madeira, ich komme wieder!
Denn ein Stückchen meiner Gleitschirmflieger-Seele ist dort liegen geblieben ;-)

Barbara Wittwer
"hi madi... wir kommen wieder:-)