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Annabelle Mann, 06/07

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Tages-Anzeiger, Dienstag, 5. Juni 2007

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FÜNF JAHRE URBANE FLUGSCHULE IN ZÜRICH, Tages-Anzeiger, 2. Juni 2007

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Swiss Glider 1-2/2007

Kaum angekommen, mitten in der Nacht, schon sitzen
Nicolas und ich im Mietwagen und fahren nach
Lonavla, gleich vor Kamshet, dem wohl bekanntesten
Fluggebiet nahe Bombay. Nach hartem Schlafen
auf zu kurzen Matratzen geht’s auf den Towerhill...
und gleich wieder hinunter. Keiner traut sich in den
thermisch-böigen Wind hinaus.

Wir nutzen die Zeit, um gleich nach Panchgani zu
fahren – im Normalfall zweieinhalb Stunden von
Kamshet. Nun, die Fahrt vermittelt uns das Gefühl,
dass in Indien der Himmel der sicherste Ort ist. Ein,
zwei Mal war dies auf meine Ungewohntheit wegen
des Linksverkehrs zurückzuführen. Es gibt auch gute
Gründe, prinzipiell immer in der Mitte der Strasse
zu fahren und erst dann nach links auszuweichen,
wenn die Druckwelle des Entgegenkommenden
deutlich zu spüren ist. In Indien gibt es fast mehr
Götter als Menschen, und die haben wohl alle Hände
voll zu tun... Uns jedenfalls sind sie wohlgesinnt.

Herbeigerufen werden sie mit der Hupe, die man am
besten gleich mit Klebeband .xiert. Oder aber, man
hämmert mystische Tabla-Rhythmen darauf. Auch
hilft es, sich im Fluss des Verkehrs – ja allgemein:
des ganzen Landes – gehen zu lassen. Das «seitliche
Kopfwackeln» sollte man bereits zuhause zu üben
– ein Zeichen von Harmonie, eine Art Bejahung, welche,
mit einem warmen Lächeln untermalt, immer
sehr guten Anklang .ndet.

Panchgani
So holpern wir gegen 17 Uhr am Startplatz Tapa
ein. Sogleich tollen wir uns etwas herum und ruhen
uns im laminaren Aufwind aus. Die Ankunft ist
perfekt. Untergekommen sind wir bei André, einem
fliegenden Frankokanadier, der seit sieben Jahren
hier lebt und sich sehr um die Gäste seines Eco-
Camps kümmert. Von hier aus unternehmen wir
täglich kleinere Strecken.üge. Die Landschaft ist
faszinierend. Nach 10km Richtung West fällt sie dramatisch
um 1000m ab – und das über eine Hunderte
von Kilometern lange Nord/Süd-Ausdehnung: die Westklippe
der Western Ghats.

Natürlich muss ich dieser entlang fliegen. Bereits der erste Versuch hat aber einen baldigen Absaufer und eine mehrstündige Rumpelei im Bus zur Folge. Grund für meine schnelle Landung sind etliche Bedenken betreffs Überlebens in dieser kargen, strassenlosen Landschaft. Solche Gedanken führen normalerweise zu einer frühzeitigen Landung... Auch ist mein Wasservorrat an diesem Tag nur bescheiden. Tags darauf, mit mehr Wasser und Mut ausgestattet, schlage ich eine andere Richtung ein: Nordwärts! Und nach einer heiklen, ewiglangen Querung gelingt es mir, an das Riesenkliff zu kommen, wo ich – mit dem steten Kribbeln eines Absaufers – im Niemandsland nordwärts fliege, immer neuen Horizonten entgegen. Ein Traum, der fünf Stunden und 20 Minuten lang
anhält und mich – ausgehungert, mit voller Blase – erst wieder auf einem ausgetrockneten Reisfeld bei Patnus ausspuckt. Die Dauer der Blasenentleerung deckt sich haargenau mit derjenigen, welche die gesamte Bevölkerung von Patnus braucht, um meinen Landeplatz zu erreichen. Nun wird viel gelacht, mein Hindi überstrapaziert (auch jenes der Einheimischen, die vor allem Marati sprechen); Gruppenfotos runden diesen herzlichen Empfang eines Ausserirdischen
ab. Im Dorf selber folgt eine Autogrammstunde, und
daraufhin die Organisation der Rückreise. Anfangs
bin ich etwas enttäuscht darüber, dass es nur 80 km
sind. Nach fünf Stunden Truck, Bus und Rumpelrikscha
bin ich mir aber wieder einmal bewusst, dass
es einen grossen Unterschied gibt zwischen einem
europäischen und einem indischen Kilometer. Dazu
wird mir zum angeblichen Lokalrekord gratuliert.
Was für mich aber zählt, ist das Erlebnis, das Gefühl
von Ausgesetztheit, und anschliessend die herzliche
Begegnung mit der hiesigen Bevölkerung. Die nächsten Tage .iegen Nicolas und ich einige kleine Dreiecke, und wir geniessen die Stunden am Himmel eines Landes voller Mythen und Schönheit. Zur morgendlichen, rituellen Waschzeremonie
gehören jeweils das Vertreiben der Frösche aus dem Lavabo oder dem WC, das Entfernen von Skorpionen aus dem Weg und dergleichen. Abends verwöhnt uns die indische Küche mit nicht zu merkenden Namen von äusserst feinen Dingen (ich empfehle vegetarisches Kadai), begleitet von Lassi... und gelegentlich
leider auch darauf folgenden Magenkrämpfen – mit allem, was dazu gehört.

Goa
Auf dem Weg nach Goa verbringen wir eine Nacht in Harnai, einem verschlafenen Fischerdorf. Bei gutem Seewind kann dort wunderbar gesoart werden. Nur: Wir erwischen es nicht... Gegen Mittag geht’s weiter nach Goa, wo wir uns gegen 20 Uhr todmüde auf die Klippe bei Anjuna schleppen und tatsächlich
noch stundenlang bei Vollmond umher soaren und spielen. Eine fantastische Ankunft! Begleitet von Live-Getrommel und dröhnendem Goatrance aus der Ferne – genau so haben wir uns Goa vorgestellt. Das Essen ist sehr gut, nur müssen wir es leider gleich wieder von uns geben. Ich beschäftige mich
sogar die ganze Nacht damit. Na ja, keine halben Sachen, raus mit dem Zeug. Auch in Goa gilt, die verschiedenen Restaurants auf ihre Sauberkeit zu prüfen. Wir fühlen uns wie die Sauberkeits-Testforellen des Zürcher Wasserwerks... Nach drei Tagen Anjuna kommen uns keine neuen Flugspielereien mehr in den Sinn, was uns zur Dislokation nach Arambol veranlasst. Dort warten etwas höhere Hügel darauf, von uns «bewingovert» zu werden. Weitere drei anstrengende Tage an der Sonne, mit viel Baden, Ananas essen und Ausruhen – ein Vorgeschmack aufs Paradies.

Kamshet
Nachdem mich Nicolas in Richtung Schweiz verlassen hat, kehre ich mit Steve, einem britischen Kumpel, und Sara, seiner Flugschülerin, nach Panchgani zurück. Die ersten 30 km kosten uns aufgrund eines platten Reifens und eines nach Drogen suchenden Police-Wallahs (Hindi, Wallah: Mann, der tut/macht/
hat/ist/gerne wäre etc.) geschlagene zwei Stunden. Aber was soll’s, wir nehmen es «shanti» (ruhig/friedlich). In Panchgani erwarten uns nicht gerade schulungstaugliche Bedingungen. Ab 17 Uhr können wir aber jeden Abend im Aufwind super soaren. Der Aufwind entsteht durch das Aufsteigen überhitzter Luft, die wahrscheinlich durch die kalte Luft unten im Tal verdrängt wird und aus irgendwelchen Gründen den Hängen nach hochsteigt. Die Entstehung dieses Windes, der mal aus Osten, mal aus Westen an das Bergdorf bläst, ist mir rätselhaft... Aber einem geschenkten Gaul guckt man bekanntlich nicht ins Maul.
Nach einer gemütlichen Woche mit viel Soaren in Indiens Sonnenuntergänge hinein, fahre ich nach Kamshet, wo ich sogleich am Shelar, einer superschönen, 2km langen Klippe soare. Am nächsten Tag kann ich vom Towerhill aus einen netten kleinen Flug mitten in die Pampa wagen, nordwärts, über zwei Seen und ein paar Täler mit beeindruckenden
Felsmassiven hinweg. Nach ein paar Stunden .nde ich mich auf einer Dorfstrasse landend wieder. Eine fünfstündige Heimreise per Sammelrikscha, Bus, Zug und nochmals Rikscha rundet meinen Indientrip ab. Ich habe es kein einziges Mal bereut loszu.iegen, über unbekannte Gegenden, unwissend, wo der Flug enden wird, und wie ich zurückkomme. Einzig in der
Gewissheit, dass man fast nirgends ganz alleine ist und in jeder Ortschaft ein Bus, eine Rikscha oder ein Truck vorbeikommt. Wo ich auch lande, immer .nde ich Hilfsbereitschaft und liebenswerte, neugierige Gesichter. Mit ein paar Brocken Hindi ist es zumeist ein Leichtes, wieder zurückzu.nden, wenn dabei auch die Zeit eine nebensächliche Rolle spielt. Und das seitliche Kopfwackeln beherrsche ich am Schluss der Reise auch mehr oder weniger. Zurück in der Schweiz muss ich es mir wieder abgewöhnen...

Sonst guckt man
mich wie einen
Ausserirdischen an.
Räto Vitins

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Mit Schirm, Charme und Melone

Am Wochenende vom 24. und 25. Juli feiert die Gleitschirmschule «skyjam zurich» ihr Jubiläum zum einjährigen Bestehen bei der Talstation «Weglosen» im Hoch Ybrig. Einer der beiden Firmeninhaber ist der Einsiedler Ales Hubacek.



phf. Dieses Wochenende veranstaltet die Gleitschirmschule «skyjam zurich» eine Jubiläumsparty zu ihrem einjährigen Bestehen. Bei der Talstation «Weglosen» im Hoch Ybrig erwartet die Besucher ein vielfältiges Programm. Neben der Vorführung der spektakulären Akrobatikflüge werden auch Tandemflüge angeboten. So haben Interessierte, die noch keine Erfahrungen mil dem Gleitschirm gemacht haben, die Möglichkeit, erste Höhenluft zu schnuppern. Aber auch für die Gleitschirm-Cracks ist gesorgt: Das neueste Equipment steht für Testflüge bereit.

 
Erfüllung eines Lebenstraums

Die Gleitschirmschule «skyjam zurich» hat, wie der Name schon erahnen lasst, ihren Sitz in Zurich. Es ist die einzige Gleitschirmflugschule in der grössten Stadt der Schweiz. Einer der Inhaber ist der in Zürich wohnhafte Einsiedler Ales Hubacek. Dieser hat sich mit der Gründung der Schule im Mai 2003, wie er selber sagt, einen Traum erfüllt. «Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen», strahlt er. Auch auf dem Gesicht seines Geschäftspartners und langjährigen Freundes, Rato Vitins, prangt ein verschmitztes Lächeln: «Die Idee ist uns vor gut zwei Jahren gekommen. Wir waren gerade auf einer Fahrt ins Blaue, als wir aus Spass darüber diskutierten, eine eigene Gleitschirmschule zu eröffnen. Zu Beginn war das Ganze also eher eine Schnaps-Idee.» Aus der «Schnaps-Idee» ist innerhalb der letzten zwei Jahre ein gut gehendes Unternehmen geworden. Aufgrund der grossen Nachfrage mussten die beiden bereits einen Fluglehrer fest einstellen, um dem Ansturm gerecht zu werden. Zudem beschäftigen Ales Hubacek und Rato Vitins einige freie Mitarbeiter.

 
Grosse Nachfrage

«Als wir unseren ersten Grundkurs anboten, staunten wir nicht schlecht», sagt Ales Hubacek. Schon am darauf folgenden Wo­chenende hatten sich über 20 Leute für ein komplettes Ausbildungsprogramm angemeldet, erzahlt Rato Vitins. «Und bisher hat die Nachfrage nicht merklich abgenommen», ergänzt Ales Hubacek. Im Moment werden ungefähr 90 Schüller ausgebildet. Die Gleitschirmschule «skyjam zurich» hat vor allem junge Schiller. Somit verwundert es nicht, dass neben dem Unterricht auch andere Veranstaltungen organisiert werden. «Die Partys und Konzerte, die wir von Zeit zu Zeit veranstalten, fordern den Zusammenhalt unter den Gleichgesinnten und bieten Neueinsteigern die Möglichkeit, schnell Anschluss zu finden», sagt Ales Hubacek. Schliessen die Schüller die theoretische und die praktische Prüfung erfolgreich ab, erhalten sie das Brevet des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL). Diese Ausbildung und eine komplette Ausrüstung kosten zwischen 5'500 und 6'500 Franken. Der finanzielle Aufwand, um sich in die Lüfte zu begeben, ist im Vergleich zu anderen Sportarten gering.

 
Kontakt mit Einsiedler Gleitschirmclub

Da die Schule ihren Sitz mitten in der Stadt Zürich hat, verfügt sie über kein direktes Fluggebiet. Ales Hubacek und Rato Vitins waren deshalb gezwungen, sich ausserhalb des Grossraumes Zürich umzusehen. «Wir haben uns für meine Heimatregion entschieden, weil es hier für jeden Wind den idealen Berg gibt und Einsiedeln relativ nahe bei Zürich liegt», schwärmt Ales Hubacek. Zudem sei ein Einsiedler für die Tandemsprunge ihrer Schule zuständig. «Tandemsprünge erfordern eine weitere Spezialausbildung, die noch keiner von uns beiden absolviert hat», informiert Rato Vit­ins. Deshalb sei es für sie ideal gewesen, den in Einsiedeln wohnhaften Beat Kälin als Tandemspringer zu gewinnen. «Die Kooperation mit dem Einsiedler Gleitschirmclub (Blackbirds) ist bisher äusserst positiv verlaufen», bemerkt Ales Hubacek. Es seien schon viele wichtige Kontakte innerhalb der hiesigen Gleitschirm-Szene zu Stande gekommen, ergänzt er.

Für die Zukunft zeigen sich die beiden Jungunternehmer zuversichtlich: «Wir werden so weiter machen, wie bisher und am Ball bleiben», sagt Ales Hubacek. Allen Interessierten sei die Internet-Adresse der Gleitschirmschule empfohlen: www.skyjam-zurich.com.

Gleitschirmflüge sind sicher

phf. Sicherheit wird in der Gleit­schirmschule «skyjam zurich» gross geschrieben: «Den Neulingen, die nicht über eine eigene Ausrüstung verfügen, vermieten wir ein komplettes, neues Equipment zu günstigen Konditionen», informiert Rato Vitins. Ausserdem springe man nur mit speziellen Trainingsausrüstungen und benutze kein altes Material. Hinzu komme das richtige Einschatzen der Wetterlage. Vor allem hier sei die Erfahrung der Lehrer gefragt.

Einsiedler Anzeiger Nummer 57 Freitag, 23. Juli 2004

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"Vier Schweizer Gleitschirmpiloten treffen sich letzten Herbst im grossen Himmel über dem nordindischen Bundesstaat Himachal Pradesch. Indien-Neulinge und Indien-Kenner. Alle entdecken ein faszinierendes Fluggebiet. Jeder nach seinem Geschmack. Kickboxen-Thermik am Basecamp der Bhagirathi-III-Expedition, sanftes Steigen über Billings Rhododendron-Hängen, Biwakflüge am "Pass der Leichenstapel".

 Swiss Glider Nr. 1-2, Januar 2004

Die Beiträge unserer beiden Vulcan Piloten Räto und Rico könnt ihr auf dieser Seite geniessen, den ganzen Bericht findet ihr im Swiss Glider.

Skyjam zurich paragliding führt im März/April 2004 eine Flugreise in die beschriebene Himalayaregion durch. Alle weiteren Infos findet ihr auf unserer Reisen-Seite ... just klick it ..."

Mit Volllast durch unbekanntes Gelände

Biwakflug zum Dalai Lama

Als Rico eines Abends etwas von Himalaja, und «ich sollte doch mitkommen» erzahlte, war eigentlich schon alles fix. Dachte ich. In den verbleibenden zwei Monaten sammelte sich einiges an Ideen und Überlegungen zur Ausrüstung an.

Zum Beispiel die Schirmwahl: Beide fliegen wir seit etlichen Jahren Wettkampfgeräte. Aber in den ganz hohen Bergen waren wir froh, wenn uns der Schirm etwas Arbeit abnähme. Unsere Ozone Vulcans taten den Job und bereiteten uns einen Riesenspass. Nach Entnahme der Protektoren boten die Gurtzeuge (meines ein Cocoon und Ricos ein altes Firebird) reichlich Platz für: Einmannzelt, Schlafsack, Kamera, Ersatzbatterien, Filme, Stirnlampe, zwei Satze Ersatzwäsche, Funk, Karte, Wassersack, KlOOO-Kompaktfood-Rationen für drei Tage, medical Kitt (Ersatzspritzen, Schmerzmittel, Schlafmittel, Perentherol, Antibiotika, Augenwasser). Was man halt brauchen konnte, wenn man in einem abgelegenen Tal einkratert... Zusammengestellt hat die Apotheke mein Hausarzt - für ein nicht ganz bescheidenes Almosen. Ich musste die Apotheke allerdings noch um Spritzen und Schlaftabletten erweitern. Schlaftabletten können in grosser Höhe hilfreich sein, auch dann, wenn Schmerzen den Schlaf rauben sollten. Mit alledem muss gerechnet werden, wenn man durch unbekannte Regionen Biwak fliegt

Unbekannt blieb die Gegend auch nach intensiver Suche nach Kartenmaterial. Nachdem ich einige nette Bleistiftmalereien aufgetrieben hatte, deren Aussage etwa null 1st, entschied ich mich für Nelles Northern India Karte, auf der wenigstens vage Andeutungen von Tälern zu sehen sind.

Natürlich müssen wir diese Volllastfliegerei zuvor einmal ausprobieren. Also finden wir uns bei starkem Westwind, wenn niemand ans Fliegen denkt, wie zwei schwangere Wellensittiche auf der Alp Scheidegg wieder. Wir drehen etwas auf, stellen fest, dass wir Headsets brauchen, machen ein kleines Fotoshooting und kämpfen uns gegen den Wind runter. Fazit: Der nasse Hintern muss weg (Wassersack wechseln), das Headset her und das Gewicht mehr nach vorne, dann ist alles perfekt. Ein nasser Schlafsack kann im Ernstfall lebensbedrohlich sein, sollte man sich auf einem Gletscher wieder finden. Lange war ich auch kein Fan von beengender Thermowäsche. Jetzt bin ich's.

Ein Funk, den man weder hort noch sonst was, ist wie kein Funk... Zum Funk ist zu sagen, dass man denselben gehörig gut vor allen Uniformierten verstecken soll - sonst hat sich's ausgefunkt. Des Weiteren muss auch die Frequenz sorgfaltig ausgesucht werden. Wir hatten mal einen ganzen 120-km-Flug lang in ruppiger9-m/s-Thermik als Hintergrundgeräusch ein endloses "two-five-two-five...". Wir forderten den lästigen «two-five-Typen» mit strengem Unterton, an der Grenze zur Beleidigung, zur Ruhe auf. Es nutzte.

Kampf mit Lees

Nachdem wir in Keylong, ein Hochtal, zwei Tage lang am Startplatz auf 4000 m eine Art Föhn um die Ohren hatten, am Rothang La (Pass der Leichenstapel, 3900 m) umher gesoart aber nicht aufgedreht sind, verschlagt es uns nach Bir, eine Sechs-Stunden-Rumpelfahrt von Manali entfernt.

Nebst super Flügen von zum Teil über 100 km ist eines der tollsten Erlebnisse sicherlich unser Biwakflug via Hindutempel zum Dalai Lama. Eines Nachmittags sitzen wir bei Tchatchu, dem Wirt am Start­platz von Billing, im Teastall, verdauen gerade unser Dhal und lästern über die heute so schlaffe Thermik (3m/s). Da finden wir so aus dem Blauen heraus: Lass es uns versuchen... Mehr aus Blödsinn, denn es war beinahe 14 Uhr. Das schlimmste, was passieren könnte, wäre, irgendwo umringt von Dorfbewohnern im Reisschilf zu stehen und was von «Teksy kahaan hai» (wo hat's hier ein Taxi?) zu schwafeln. Also los.

Aufdrehen auf 3000 m und von Buckel zu Buckel hangseln. Die Bigface-Querung, eine Art Schlüsselstelle, gelingt, wenn auch mit viel Harz und Dümpelei. Wir sind so froh darüber, dass wir versucht sind, kurz danach bei einem verlassenen Bergdorf zu landen, denn unser Tempel ist noch weit. Und vor allem hoher als die Basis. Ich gebe Rico per Funk meine Bedenken über Nahrungsmangel bekannt; meine Lust auf K1000 halt sich in Grenzen. Beim Tempel jedoch warten Dhal und Chapati auf unsere Magen. Also weiter. Immer wieder stehen wir in Lees im Wind und sind auf die mickrigsten Blaschen angewiesen. Ich muss aber sagen, dass die Turbulenzen im Himalaja anders sind, irgendwie erträglicher, auch wenn es einen gehörig durchkneten kann.

Wir fliegen so dahin, und allen Geistern zum Trotz kommt derTempelberg naher, bis er hoch neben uns aufragt. Noch die letzte Runde im Kampf mit den Lees, und schon landen wir etwas unterhalb des Gipfels, auf welchem der Tempel steht, an und in der Wolkenbasis. Ein Griffin-Vulture (Riesenvogel), der uns einige Kilometer begleitete, pfeift uns zum Abschied zu... Bis bald da oben!

Rico muss den Schirm beim Landen etwas abwürgen, sonst hätten ihn die Wolken gefressen. Der unsanfte Aufprall fuhrt am Abend zu exzessivem Schmerzmittelkonsum, was aber zum Glück am nächsten Morgen wie weggeblasen ist... vom starken Ostwind. Mit gebrochenem Fuss, irgendwo im Himalaja auf einem Berg, naja, nicht auszudenken.

Start wegen Laufunlust

Drei bärtige Pilger, die unter Zuhilfenahme von Bagpipers-Whiskey, Flipflops und Taschenradio schon seit frühmorgens hinaufwandern, beobachten uns. Nun, unser Hindi vor Runaways lässt zu wünschen übrig. Also grinsen wir uns nicht undoof an, flattern mit den Armen und formieren eine frohe Wandergruppe. Etwas über eine Stunde, mit den jeweils 32 kg Ausrüstung, und schon sitzen wir im Yogasitz um das Chaikrugfeuerchen beim Tempelhüter und lassen es uns gut gehen. Alle freuen sich, niemand kann es in Worte fassen, und wenn doch, so versteht der andere nichts. Wir einigen uns auf «we ar all vely eppy».

Etwas später, nachdem das gemeinsam zubereitete Dhal verschlungen ist und der Whiskey seine Runde macht, werde ich auf indische Volkslieder hin gebeten, doch auch schweizerische vorzutragen. Und der Abend wird zum Morgen.,

Unsere Zelte und Schlafsacke sind warm. Und der Schlaf tief. Der Tempelchef bietet uns Chapati an, und es gibt Chai. So erwacht man gern. Auf meiner morgendlichen Fototour fängt mich der Priester ab und mochte, dass ich die Gottesbilder im Innern des Tempels foto-grafisch festhalte. («0nly feel sorry, and the Gods will forgive you.»)

Der Wind bläst nicht. Er stürmt. Aus Ost. Start unmöglich, also kramen wir unsere Zelte zusammen und machen uns auf den Zehn-Stunden-Runtermarsch. Nach einer Stunde übermannt uns die Laufun­lust: wir starten zitternden Leibes... und finden die ruhigste Thermik vor, die wir trotz Megawind locker ausdrehen können. Noch schnell dem Tempel zuwinken, und tschüss, ab, Richtung Dharamsala, wo der Dalai Lama residiert.In Dharamsala angekommen, landen wir zwischen zwei Matches unter dem Getose von Hunderten im neu gebauten Kricketstadion. Unsere Entschuldigung wird abgelehnt und durch fröhliches Zujubeln und ein Gruppen-, ach was, ein Massenfoto ersetzt. Pures Glücksgefühl. Ich sehe mich aufgrund der tollen Berge, Thermik, Riesenvogel, Delikatessen, Inder, Tibeter, Raucherwerk, Gebetsfahnen und und und gezwungen... wieder hierher zu kommen. Die Einwohner von Hi-machal Pradesh mit ihrer alles vereinenden Herzlichkeit sind uns in sehr positiver Erinnerung.






by Räto Vitins



Über der Seitenmorane des Bhagirathi-Gletschers

Spektakulärster Thermikflug meines Lebens

Der Schirm reisst in alle Richtungen. Ich versuche mit ganzer Kraft, das wilde Biest zu halten. Immer wieder stellt sich der Flügel auf den Stabi, schiebt, stöhnt und verbiegt sich wie heisser Plastik. Ich kämpfe darum, das Tuch auch nur zu einem Drittel in den Kern des Schlauchs zu forcieren.

Der Druck ist enorm, die Querlage Schwindel erregend. «Pulsierend» nennt man das nicht mehr. Blasen, die fast zweitausend Höhenme-ter freie Beschleunigungsstrecke hinter sich haben, schlagen von unten in meine Kappe, kickboxen mich über die 6000-m-Linie, bevor ich Überhaupt «time-out!» rufen kann. Mein armes Vario schreit vor Angst. Mehr als 10 m/s kann es nicht anzeigen. Auch sonst scheint ihm die Hohe nicht gut zu bekommen. Mir dafür umso mehr. Dass niemand vorher auf die Idee gekommen ist, Synergien zwischen der bemannten Raumfahrt und dem Gleitschirmfliegen zu suchen?

Ich probier im Hinterkopf meinen Geisteszustand auszuwerten. Nicht zu unterschatzen, die dünne Luft! Okay, ich atme nicht, ich hyperventiliere. Aber das ist eher auf den absurd hohen Adrenalin-Spiegel zurückzuführen. Also, wie war das nochmals? Auf 5500 m ist die Luft halb so dicht, das heisst, ich flieg jetzt doppelt so schnell, mein Ozone Vulcan ist zudem chronisch überladen. Diesen Groundspeed soll mir erst einer nachmachen!

Erst am Boden fällt mir ein: Der Luftwiderstand steigt mit dem Qua­drat der Geschwindigkeit, ich bin nicht doppelt so schnell. Was aber beeindruckend ist: Das Gehirn lauft auf 5000 m halb so schnell wie normal.

Nandanvan ist ein einsamer Grasfleck auf der unendlich weiten Seitenmorane des Bhagirathi-Gletschers. Das Basecamp der Deutsch-Schweizerischen Bhagirathi-lll-Expedltion ist gleichzeitig mein Wohnort und mein Landeplatz, der Windsack steht neben meinem Zelt. Wahrend Urs Stocker, Simon Anthamatten und Rainer Treppte die B-lll-Westwand erstbegehen, mache ich die spektakulärsten Thermikfluge meines Lebens.

Beinbruch? Unvorstellbar

Die Anreise ist beschwerlich, qualvoll lange Busfahrten, unterbrochen nur durch eine weitere Strapaze: Die einzige Strasse ins Tal ist verschüttet, stundenlang müssen wir unsere halbe Tonne Material über den Schlammkegel des Erdrutsches tragen, um auf der anderen Seite mit einem anderen Bus weiterfahren zu können. Die Strasse endet in Gangotri, einem Pilgerdorf ohne Strom. Vorausgesetzt, man leistet sich Träger, was eher ein organisatorisches als ein finanzielles Problem darstellt, ist danach das Basislager in zwei Tagesmärschen erreichbar.

Gleich oberhalb des Basecamps zieht ein immer steiler und ausladend werdender Hang zum Bhagirathi I rauf. Das Lager befindet sich in der Gabel eines «Y», und der Talwind bläst frontal den Berg hinauf. Für meinen ersten Startversuch kommt Urs Stocker mit. Nach 30 Minuten erreichen wir auf 4500 m eine geeignete Stelle. Urs hilft mir beim Auslegen, spricht mir Mut zu und filmt. Das Schweizer Farbfernsehen hat der Expedition Kameras mitgegeben, dieselben, die für die Everest-Doku im Frühling benutzt wurden. Im Basislager ist heute Ruhetag -eine vorbeugende Massnahme gegen Hohenodeme-, und die Augen sind auf den Startplatz gerichtet. Gespannt warten alle auf ein Spektakel. Ich stelle einen Windsack auf - diese Dinger haben doch irgendwie eine beruhigende Wirkung; die Sache sieht damit ein bisschen professioneller aus. Auch am Landeplatz im Basecamp steht einer.

Ich hab noch nie so gewissenhaft den 5-Punktecheck durchgeführt. Freier Luftraum? Check! Der Schirm liegt besser als überhaupt möglich in dieser überhangenden Geröllhalde. Ich schwitze unter meiner Astronautenmontur. Bin stumm vor Angst. Ein Beinbruch hier, unvorstellbar. Was erwartet mich, wenn ich den halben Schritt rückwärts wage? Der Wind ist stark, bildlich stell ich mir die Sequenz vor, ausgehebelt zu werden und mit dem Wind unten einzuschlagen. Letzter Funkcheck. Ich zittere.

Ich gebe den A-Gurten einen entschiedenen Zupf, der Schirm füllt sich schon, ausdrehen, yippie! Es fliegt, besser, es steigt mit gleich-massigen 2 m/s. Verdammt schnell unterwegs. Die Querlage beim Wenden ist beachtlich. Zusammen werden wir die immense Halde raufgeschwemmt, Schirm überlastet, Pilot überglücklich.

In lang gezogenen 8er-Schlaufen soare ich auf. Seit zwei Stunden brennt die Mittagssonne auf die Geröllhalde nieder, und je hoher ich komme, desto mehr zieht das Steigen an. Auf 5000 m gehen die wirklichen Schläuche ab. Der Boden, der ohnehin nur aus Fels- und Eisformationen besteht, fällt unten weg. Die Aussicht überwältigt mich: Gletscher, Felswände, Gipfel, messerscharf gezeichnete Konturen. Dieses Gefühl des Staunens, das ich bei meinem allerersten Thermikflug vor zehn Jahren erlebte, erfüllt mich. Die totale Zufriedenheit des eingedrungen Seins in eine andere Welt, in der unglaubliche Sachen möglich sind. Das Problem ist, dass die Thermik ein wenig zu fest rockt, um sich ausschliesslich dem Sightseeing zu widmen. Oder dem Fotografieren, Funken, Jackenkragen schliessen... Eine ganz besondere Belastbarkeitsübung ist, im Flug einen neuen Film einzulegen.

Wie gefrorene Crevetten

Ab der 5500er-Grenze wird's auch so richtig kalt. Das mehrschichtige Thermo-Fleece-Goretex-Gezwieble hält zwar den Körper warm genug, aber meine Finger fühlen sich an wie gefrorene Crevetten. Mehr als zwei paar Handschuhe anzuziehen geht nicht, das Fotografieren ist so schon mühsam genug. Auch die wenigen Stellen exponierter Haut im Gesicht, die erbarmungslos vom eisigen Wind bestrahlt werden, entkoppeln sich mit der Zeit von der Sensorik. Die Bergsteiger muhen sich einen guten halben Tag ab, um ins Ad­vanced Base Camp (ABC) auf 5000 m aufzusteigen. Mit dem Gleitschirm dauert's nicht halb so lang! Schon mit 5500 m habe ich genügend Hohe, um vom Bhagirathi I an den Fuss der Bhagirathi-lll-Westwand zu fliegen. An jener Rippe wieder einzusteigen ist allerdings harte Knochenarbeit. Beim ersten Versuch fehlen mir die Nerven dazu. Ich probier mal hier, mal da, einen Kreis zu fliegen, zwischen thermischen Kinnhaken und schlabberndem Sinkgehupe. Mit jedem ängstlichen Versuch sinke ich tiefer in die fiesen Lees der k-Rippe. Ich muss eine Entscheidung treffen. Ich will nicht in der Mausefalle ohne Landeplatz landen und gleite tief raus, zu meinem Notlandeplatz, ein trockenes Seebett zwischen Basecamp und ABC, eine windgeschützte Ebene, nur eine Stunde von den Zelten entfernt. Das Problem bei Aussenlandungen ist nicht nur der beliebig lange Fussmarsch zurück ins Basecamp. Auch die Landemöglichkeiten sind sparsam gesät. Überall liegen grosse Boulder rum, Blocke, die nur darauf warten, meinen Bewegungsapparat zu lädieren. Zudem stehen die meisten potentiellen Landeplätze entweder im Talwind Oder in einem Lee davon. Nach zwei Wochen im Basecamp wird es Zeit zu gehen. Runter laufen kommt nicht in Frage. Der Flug runter zur Zivilisation ist keine sehr weite Strecke, hat aber die unangenehme Eigenschaft, dass man 18 km über den Bhagirathi-Gletscher schaffen muss. Absaufen wäre sehr schmerzhaft. Ich starte zum Versuch. Ein Hardcore-Pump schiesst mich auf 6000 m rauf; ich drucke den Beschleuniger und ziele Richtung Zivilisation. Die ersten zwei Talquerungen sind einfache, kleine Seitentaler. Anschluss finde ich jeweils mühelos, verlasse die Schlauche aber früh, immer noch belämmert vom Einstiegspump. Die Tempel von Bhujbasa kommen ins Blickfeld. Danach Gangotri, wo das Tal enger und kabliger wird. Die Luft wird auch in der Höhe windig. Das dritte seitliche Hangetal sieht böse aus. Ich habe wenig Lust, vom Talwind reingespult zu werden und umflieg es grossräumig. Womit ich mitten im Haupttal im Wind stehe... Und das auf 4800! Ich fang an, Zerbrechliches zu verstauen; Kamera rein, Frontcontainer zu. Ein Blick nach hinten zeigt die riesige Gletscherzunge und ein ganz zerklüftetes Stuck Mondlandschaft. Bei einer Bruchlandung... da riskiere ich Mehrfachbruche und Tod durch Ertrinken. Ich drucke den Beschleuniger an den Anschlag. Bitte klapp nicht! Bitte!! Es nutzt, meine Ruckwartsgeschwindigkeit bleibt im akzeptablen Bereich. Ich überlege mir, ob ich das Funkkabel ausstecken, den Frontcontainer offnen und die Gurten lösen soll, um nach dem Aufklatsch nicht mit 40 km/h übers Terrain geschleift zu werden. Doch das Leben ist schon! 50 m über Boden lasst der Wind etwas nach, und ich komme unbeschleunigt senkrecht runter. Ich zieh die D-Leinen durch und fühl mich wunderbar.



Bilder und Text: Swiss Glider Nr. 1-2, Januar 2004, Seite 12

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Erste Gleitschirmschule in der Stadt Zürich

ZÜRICH – Skyjam Zurich heisst die erste Gleitschirmschule der Stadt Zürich. Sie bietet zwar keine Flüge in der Stadt selbst, aber solche in der Umgebung an. « Wir fahren mit den Schülern ab der Sihlpost etwa auf den Zugerberg,   nach Einsiedeln oder Engelberg » , sagt Initiant Räto Vitins, « auf Wunsch gehts sogar bis in den Jura. » Zürichs Vorteil sei, dass man je nach Witterung umdisponieren könne. An diesem Sonntag findet ein Schnuppertag statt.

Materialcheck von Flugmann Räto Vitins vor imposanter Kulisse.

Daniel Zumoberhaus, 20min, 3. Juni 2003